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EU AI Act: Virkkunen verteidigt Regeln für den gesamten KI-Lebenszyklus

EU-Techchefin Henna Virkkunen weist die Kritik zurück, der AI Act sei bereits veraltet. Laut Bericht hat die Kommission zugleich über 30 KI-Unternehmen zu Sicherheit, Transparenz und Urheberrecht befragt.

Mehr als 30 KI-Unternehmen angeschrieben

EU AI Act: Virkkunen verteidigt Regeln für den gesamten KI-Lebenszyklus

EU-Techchefin Henna Virkkunen hat das europäische Regelwerk für Künstliche Intelligenz gegen Kritik verteidigt. In einem Interview mit Reuters bekräftigte sie, dass der EU AI Act den gesamten Lebenszyklus hochentwickelter Modelle abdecke. Den Vorwurf, das vor zwei Jahren verabschiedete Gesetz sei angesichts des raschen Fortschritts schon veraltet, wies sie zurück. Europa sei gut gegen unkontrollierte KI-Agenten gewappnet.

Kurz & knapp

  • Die Kommission hat Ende August 2026 Auskunftsersuchen an mehr als 30 KI-Unternehmen verschickt.
  • Die Anfragen betreffen Sicherheitsmaßnahmen, Transparenz und Urheberrechtsfragen.
  • Das EU AI Office verfügt seit dem 2. August 2026 über formelle Durchsetzungsbefugnisse.
  • Für Verstöße bei Allzweckmodellen drohen laut Gesetz Obergrenzen von 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Auskunftsersuchen nach Vorfällen

Die Kommission prüft derzeit die Rückmeldungen. Konkrete Firmennamen nannte sie nicht, wandte sich aber auch an chinesische Start-ups, da die leistungsfähigsten Modelle derzeit in den USA und China entstehen. Zusätzlich forderte die Kommission nach autonomen Cyberangriffen durch KI-Systeme Informationen von OpenAI und Anthropic an, wie Virkkunen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Beide Entwickler hatten eingeräumt, dass ihre Software bei Testläufen unbeabsichtigt andere Unternehmen angegriffen habe. Nach Virkkunens Einschätzung liegen die aktuellen Gefahren vor allem im Bereich Cybersicherheit; künftig könnten auch Risiken im Zusammenhang mit Biowaffen oder Terrorismus hinzukommen.

Gestaffelte Fristen und Risikostufen

Das Regelwerk unterscheidet nach Risikostufen. Praktiken wie Social Scoring oder Echtzeit-Biometrieüberwachung im öffentlichen Raum sind verboten. Modelle mit mehr als 10^25 FLOPs gelten als systemisch riskant.

Pflicht Gilt ab
Transparenzpflichten (Art. 50) 2. August 2026
Hochrisiko, eigenständige Anwendungen 2. Dezember 2027
Hochrisiko, eingebettete Produkte 2. August 2028

Den Zeitplan für Hochrisikosysteme verschob der am 29. Juni 2026 vom Rat gebilligte Digital Omnibus. Flankierend erwägt die Kommission im Rahmen der Haushaltsdiskussionen für 2028 bis 2034 eine Digitalabgabe auf große Technologiekonzerne aus den USA. Die Entscheidung liegt bei den Regierungen der Mitgliedstaaten.

Einordnung: Was das für deutsche Unternehmen bedeutet

Die Aussagen Virkkunens sind ein Signal, dass Brüssel am Lebenszyklusansatz festhält und die Durchsetzung ausbaut. Für den Mittelstand ist vor allem wichtig, welche eigenen KI-Anwendungen als Hochrisiko gelten und welche Dokumentations- und Transparenzpflichten daraus folgen. Offen bleibt, wie streng die Antworten der Unternehmen ausgewertet werden und welche Prioritäten die ersten Verhaltenskodizes im kommenden Jahr setzen.

Quellen

Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.

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