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Photoshop per KI nachgebaut: Kopieren ist billig, Entscheiden nicht

Ein Entwickler hat mit KI sieben Adobe-Nachbauten veröffentlicht und die Softwareentwicklung für beendet erklärt. Golo Roden hält diesen Schluss für falsch.

45 % Paritätsbewertung

Photoshop per KI nachgebaut: Kopieren ist billig, Entscheiden nicht

Anfang Oktober hat der Entwickler Brandon Thomas unter dem Projektnamen ArtCraft sieben Programme veröffentlicht, die Adobes bekannteste Werkzeuge nachbilden, darunter Photoshop, Lightroom und Premiere Pro. Laut heise online sind es mittlerweile 13 Anwendungen, geschrieben in Rust, den Code hat im Wesentlichen Claude Opus 5.5 von Anthropic erzeugt. Der Photoshop-Nachbau PhotoCraft sammelte auf GitHub binnen weniger Tage Zehntausende Sterne. Thomas formulierte auf Reddit: „Software is over“.

Hintergrund

Der Autor Golo Roden widerspricht dieser Deutung. Nach der README des Projekts handelt es sich um eine quelloffene Clean-Room-Neuimplementierung, die auf öffentlichen Spezifikationen und dem beobachteten Verhalten des Originals beruht. Mehr als 1700 Tests sichern das Ergebnis ab, ein Teil davon vergleicht die Ausgabe direkt mit Photoshop. Thomas kündigte an, binnen eines Monats Funktionsgleichheit zu erreichen, korrigierte sich auf Hacker News aber auf Monate. Die Paritätsbewertung des Projekts schätzt Mitte Oktober, dass PhotoCraft zu etwa 45 Prozent für echte Arbeit taugt und bis zur vollen Gleichwertigkeit weitere 2300 bis 4100 Stunden Agentenarbeit benötigt. Die README nennt Typografie und professionelle Arbeitsabläufe als große Lücken; laut Lückenliste weicht das Ergebnis bei gut einem Viertel der Referenzdateien noch vom Original ab.

Einordnung

Roden sieht im Projekt einen Idealfall für Coding-Agenten: Das Ziel liegt exakt vor, das Verhalten ist beobachtbar und das Dateiformat öffentlich spezifiziert. Entscheidungen über Arbeitsabläufe und Produktgestaltung, die in einem Programm wie Photoshop über drei Jahrzehnte gewachsen sind, übernimmt ein Nachbau lediglich. Für individuelle Software, etwa für einen Energieversorger, gibt es kein vergleichbares Original, gegen das getestet werden könnte. Der Engpass liegt dort im Verstehen des Problems, nicht im Schreiben des Codes. Für Unternehmen könnte das bedeuten, dass sich Nachbau-Versprechen vor allem bei standardisierten Produkten mit klarer Vorlage auszahlen, während maßgeschneiderte Fachsoftware weiterhin Zeit für Analyse und Entscheidungen braucht.

Quellen

Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.

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