Was die Studie zeigt
Ein internationales Team um den Psychologen Alexander Diel von der LVR-Universitätsklinik Essen (Universität Duisburg-Essen) hat die Wirkung von KI-Essensbildern untersucht und die Ergebnisse im Fachmagazin Nature veröffentlicht. 87 Personen nahmen an einem Online-Test teil und sahen 60 Bildpaare, die jeweils aus einem echten Foto und einem KI-Foto desselben Essens bestanden, etwa einer Kugel Vanilleeis oder Weintrauben. Ohne zu wissen, welches Bild echt war, bewerteten sie auf einer Skala, wie echt das Bild wirkt, wie groß die Bereitschaft zum Essen ist und wie gesund und kalorienreich das Gericht erscheint.
Das Ergebnis: Die KI-Bilder wurden im Schnitt als weniger realistisch eingestuft und lösten etwas weniger Appetit aus als die echten Fotos. Bei Kalorien- und Gesundheitseinschätzung gab es keinen Unterschied.
Mögliche Erklärung
Diel vermutet, das Bild könne "zu perfekt" aussehen, etwa mit zu glatten oder zu symmetrischen Oberflächen oder anderen optischen Fehlern. Menschen seien bei Essen generell vorsichtig gegenüber Unbekanntem, und Anomalien in Bildern wirkten oft abstoßend.
Hintergrund
In der Praxis setzen einige Gastronomen KI für Speisekarten ein, etwa weil Grafikdesign für kleine Betriebe oft nicht mehr bezahlbar ist und sich Wochenkarten schnell ändern. Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (Dehoga) nennt aus Sicht der Betriebe Kosten, Zeit, Verfügbarkeit und Tempo als Gründe. Belastbare Zahlen, wie verbreitet KI-Karten in Deutschland sind, gibt es laut Dehoga nicht.
Pannen gab es beim Lieferdienst Lieferando (Just Eat Takeaway): KI-Fotos wichen in einigen Fällen stark von den Produktbeschreibungen ab, etwa ein Chickenburger mit Buns aus Reis statt aus Brot. Das Unternehmen entschuldigte sich für ungenaue Bilder, teilte mit, ein Test habe nicht auf Anhieb geklappt, und hat die Verwendung des Tools ausgesetzt; man arbeite an der Entfernung der Bilder.
Einordnung
Die Studie legt nahe, dass KI-Essensbilder nicht automatisch so wirken wie echte Fotos. Für Betriebe, die KI-Bilder in Speisekarten oder Werbung nutzen wollen, könnte die Frage der Authentizität wichtiger sein als die Kosteneinsparung, wenn Gäste das abgebildete Gericht später nicht wiedererkennen. Die Dehoga betont, Authentizität sei "der Kern des gastronomischen Versprechens". Offen bleibt, wie sich die Ergebnisse über den Online-Test mit 87 Personen hinaus auf reale Speisekarten übertragen lassen.
Quellen
Redaktionell verantwortet von Ideal Syka. Quellen und Arbeitsweise: Redaktion & Methode. Hinweise und Korrekturen: ai@i6eal.de.




